Internet of Things – Neue Geschäftsmodelle in einer vernetzten Welt #13

IoT Geschäftsmodelle Einfachheit Simplicity

Das Internet der Dinge verändert die Gesellschaft und die Wirtschaft.

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Das Symbol für Mobilität in der Moderne war das Automobil. Wer heute mobil sein möchte, braucht im Grunde nur noch ein Smartphone. Ein Auto muss heute niemand mehr besitzen, der ein Auto fahren will. Ebenso wenig ist es nötig, in einer anderen Stadt eine Ferienwohnung zu besitzen, um dort für eine Zeit lang wohnen zu können. Das Smartphone ist eine Schnittstelle zwischen Mensch und einer vernetzten Welt. Die sogenannte Sharing Economy, die durch die Vernetzung von Menschen entstanden ist, veränderte die Gesellschaft und die Wirtschaft bereits in der kurzen Zeit ihres Bestehens grundlegend und nachhaltig. Besitz und Eigentum haben längst nicht mehr denselben Stellenwert wie noch vor wenigen Jahren. Das ist unter anderem auch eine Auswirkung der zunehmenden Digitalisierung, die einfach genutzt werden kann.

Das Internet der Dinge stellt auch die bisher gültigen Gesetzmässigkeiten unseres Wirtschaftsmodells auf den Kopf, das ja darauf ausgelegt ist, dass sich Eigentumsverhältnisse durch den Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung ändern. Das Internet der Dinge wird viele weitere gesellschaftliche Veränderungen bewirken, die mit den bisherigen Veränderungen nicht zu vergleichen sein werden. Auch darauf müssen sich die Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen einstellen und diese konsequenter auf das Internet der Dinge ausrichten.

Wissen und Know-how kommt eine strategische Bedeutung zu

Mit der immer stärkeren Verbreitung von digitaler Technologie und dem steigenden Vernetzungsgrad ist ein wichtiger Effekt zu beobachten: Es kommt zu einer generellen Aufwertung von Wissen und Know-how. Nur wer mit den Gesetzmässigkeiten der Digitalisierung vertraut ist, kann neue Geschäftsmodelle entwickeln und notwendige Anpassungen vornehmen. Datenschutz, Datensicherheit und Cyber Security werden im Zeitalter des Internet der Dinge zu einem wesentlichen Bestandteil von unternehmerischen Strategien. Die acatech-Studie, die von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften durchgeführt wurde, bestätigte kürzlich die Einschätzung, dass der Aufbau von Know-how in diesem Bereich zu den zentralen Aufgaben von datengetriebenen Unternehmen zählt.

Neue Geschäftsmodelle müssen die Vernetzung mitbedenken

Die digitale Vernetzung macht es beispielsweise möglich, neue Marketinginstrumente und innovative Verkaufskanäle zu nutzen. Vernetzte Produkte oder Dinge können einen Kommunikationskanal zwischen Unternehmen und Kunden herstellen. Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit allerdings nicht: So ist es bemerkenswert, dass der Dash-Button, mit dem es möglich ist, beispielsweise Waschpulver per Knopfdruck direkt von der Waschmaschine aus nachzubestellen, von Amazon eingeführt wurde und nicht etwa von den Waschmaschinenherstellern. Letztere konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen und überlassen nun Amazon das ganze Geschäft.

Kanban-Bestellung wie in der Industrie – nur für den Haushalt konzipiert.
(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=dfgcZKaDzWc)

Ob der Weihnachtsbaum zum Mieten, der Metzger mit einer digitalen Schnittstelle für Kundenbestellungen oder die Flatrate bei professionellen Bildern – sie alle haben das traditionelle Geschäft neu definiert und mit einem Mehrwert für Kunden mehr Einfachheit geschaffen.

Digitale Vernetzung eröffnet zahlreiche Cross-Selling-Möglichkeiten

Auch Google setzt konsequent auf Cross-Marketing-Strategien: Wer bei Google Maps nach Reiserouten sucht, kann nicht nur diesen Service umsonst nutzen, sondern erhält direkt die Möglichkeit, Bahn, Bus oder Flug zu buchen. Die Provisionen für den Verkauf gehen an Google und nicht an Reisebüros, die ebenfalls diesen Service anbieten könnten. Autohersteller könnten durch die digitale Vernetzung und Echtzeit-Datenanalyse ganz leicht zu einem der exaktesten Wettervorhersagedienste werden. Die Information, ob der Scheibenwischer gerade aktiv ist und wie stark wird anonymisiert gespeichert und kann jederzeit abgerufen werden. So wäre eine nahezu flächendeckende Analyse der aktuellen Wetterlage möglich – ein wertvolles Wissen für Landwirte, Stromproduzenten oder Wetterforscher.

Das Auto wird generell zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden. Eine Autoversicherung kann direkt im Auto abgeschlossen werden: Je nachdem, was für eine Fahrt der Kunde plant, kann er seinen Versicherungsschutz individuell wählen. Fährt ein vernetztes Auto an einem Restaurant vorbei, können die Insassen über ein besonderes Angebot informiert werden. Mit iBeacons und NFC (Near Field Communication) stehen viele der entsprechenden Technologien schon bereit. Kooperationen zwischen Unternehmen werden in einer vernetzten Welt stark an Bedeutung gewinnen. Tesla ist nicht nur ein Vorreiter in Bezug auf die Elektromobilität, das Unternehmen zeigt auch, welche Cross-Selling-Möglichkeiten ein vernetztes Auto bietet – angefangen von Versicherungen über Software bis hin zu Updates.

Product-as-a-Service: ein Geschäftsmodell mit Zukunft

Das Prinzip lässt sich auf zahlreiche andere Branchen und Produkte übertragen: Wozu eine teure Kameraausrüstung kaufen, wenn es möglich ist, die Kamera nur zu nutzen und sogar die besten Bilder bearbeitet zurückbekommt? Mode muss ebenfalls nicht mehr teuer angeschafft werden, sondern kann als Flatrate-Modell analog zu Spotify oder Netflix genutzt werden. Auch grosse Konzerne, die sich auf industrielle Dienstleistungen und Produkte spezialisiert haben, können die As-a-Service-Geschäftsmodelle für sich nutzen. Thyssen-Krupp muss Aufzüge nicht mehr verkaufen, sondern kann die Dienstleistung „Heben“ anbieten – selbst dann, wenn die Aufzüge fest in Gebäuden verbaut werden. Beim vernetzten Auto ist es ähnlich: Die Autohersteller werden in Zukunft zwar voraussichtlich weniger Autos verkaufen, weil die Konnektivität durch die Vernetzung grösser wird. Aber mit den Car-Sharing-Geschäftsmodellen steht ihnen eine neue Möglichkeit zur Verfügung, ihre Autos zu vermarkten. Die Voraussetzung dafür ist die digitale Vernetzung von Dingen, Diensten und Menschen.

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Bildunterschrift: Produkt als ein Service am Beispiel eines Fotoapparats
(Quelle: Relonch https://relonch.com/)

Sharing-Economy ist nur der erste Schritt

Der Grad an Vernetzung, den wir heute erleben, ist nur die Vorstufe von einer vernetzten Welt, die in den nächsten Jahren entstehen wird. Die neuen vernetzten Dinge von Autos bis hin zu unseren Socken werden mehr sein als nur kleine Inseln mit beschränkten Funktionen. Das Leben in einer vernetzten Welt verläuft in Zukunft sehr viel einfacher und reibungsloser: Am Morgen auf dem Weg zur Arbeit nehme ich einfach ein Fahrrad an der nächsten Fahrradleihstation und fahre damit zur nächsten Bahnstation. Der Zug bringt mich aus der Stadt, wobei ich während der Zugfahrt über das freie WLAN meine Einkäufe erledige und ein Auto am Bahnhof reserviere. All diese Fahrten sind perfekt aufeinanderabgestimmt und über mein Smartphone habe ich immer meine nächsten, alternativen Reisemöglichkeiten im Blick.

Die Wallet-Funktion im iPhone ermöglicht es mir, sowohl die Reise- und Eingangstickets als auch das Parken oder meine Einkäufe zu bezahlen. Auch andere Erledigungen wie Verwaltungs- und Behördengänge sind mit einer auf eGovernment umgestellten Stadtverwaltung sehr viel einfacher. Das alles gelingt durch ein vernetztes Planungssystem beispielsweise für Passämter mit Online-Terminvergabe, das 24 Stunden am Tag verfügbar ist. In der Industrie entspricht dies dem klassischen Kanban-System, das eine automatisierte Bewirtschaftung ermöglicht, indem zum Beispiel ein Behälter auf einer Waage steht, die die Menge und den Verbrauch misst und je nach Vorgabe Bestellungen auslöst.

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Bildunterschrift: Unabhängig von dem Verkehrsmittel stehen dem Kunden verschiedene Transportmittel auch in Kombination zur Verfügung.
(Bild Google Maps als Beispiel)

Einfachheit als Gegenkonzept zum „Anything goes“

Bei all diesen Überlegungen ist allerdings ein wichtiger Aspekt immer im Auge zu behalten. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Idealzustand und Realzustand. Nicht alles, was auf dem Papier sinnvoll aussieht, bewährt sich in der Praxis. Meiner Überzeugung nach ist es unerlässlich, dass der Nutzer immer über das System die Herrschaft hat. Hochvernetzte Systeme sind extrem komplex und entwickeln ihre eigene Dynamik, die auch Gefahren bringen kann. Die entscheidende Frage muss daher immer auch sein, was noch zumutbar und akzeptabel ist, wenn eine Fehlfunktion eintritt. Aus leidiger Erfahrung wissen viele Nutzer, wie oft ein PC abstürzt. Niemand will ein solches System in einem Auto haben, das mit 220 km/h fahrerlos auf der Autobahn unterwegs ist.

Car-Sharing-Modelle oder Fahrradleihstationen sind aus einem triftigen Grund so beliebt und erfolgreich: Nutzen und Verwaltungsaufwand stehen in Relation zueinander. „Anyting goes“ darf nicht das Motto einer Zukunftsvision sein, in der alles gemacht wird, weil alles gemacht werden kann. Nicht nur Hersteller und Unternehmen, sondern auch Regierungen und jeder Einzelne muss auf ein gewisses Mass an Einfachheit achten, um nicht von der Technik beherrscht zu werden. In einer vernetzten Welt muss Einfachheit das oberste Gebot sein.

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Bisher erschienen sind folgende Blogbeiträge:

Das Internet der Dinge und die digitale Einfachheit #1

Einfach erklärt: Das Internet der dinge und die vernetzte Welt der Zukunft #2

Der richtige Augenblick zählt: zur Akzeptanz neuer Technologien #3

Die Costumer Journey und das Internet der Dinge #4

Wie sich menschliche Evolution und digitale Revolution bedingen #5

Digitale Welten zum Anfassen #6

Das Internet der Dinge und die Zukunft des Marketings #7

Das Internet der Dinge muss Chefsache werden #8

Das Internet der Dinge braucht Innovationen – Wie wir von Start-ups lernen können, was Leadership und Unternehmenskultur braucht #9

IoT – über das Wesen des Wandels #10

Der Wert der Daten: Big Data und das Internet der Dinge #11

Das Internet der Dinge erfordert neue unternehmerische Ansätze #12

2 Comments

  1. Peter Kruse, deutscher Organisationspsychologe und Zukunftsforscher, warnt bezüglich Digitalem Wandel vor „Systemen, die sich selber aufschaukeln“. Er ruft in Erinnerung, dass nicht lineare Systeme nicht vorhersehbar sind. Und plädiert in der Folge u.a. für eine Aufwertung der „Empathie“, sowie eine grundsätzliche Neudefinition von Macht. Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=wQkmOd45u60

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    • Hall Herr Wüest,
      das ist vollkommen richtig. Wir leben heute schon in digitalen Systemen. Und das schon seit vielen Jahren. Und das Smartphone ist eines der „digitalen Dinge“, die es mit angestossen haben. Wir Kunden dürfen einerseits nicht zu „technologiegläubig“ sein. Andererseits auch die Chancen von der Entwicklung erkennen und sinnvoll einsetzen. Der Nutzen muss im Vordergrund stehen. Hier braucht es noch viel Aufklärungsbedarf, denn der Mensch muss die Systeme in der Anwendung immer noch ^beherrschen und verstehen können.

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